ich war heute mit dem bearbeiten von mehreren webseiten beschäftigt. im grunde ist das eine moderne form der sisyphusarbeit. immer, wenn die seite mal "fertig" ist, kommen wieder änderungen, müsssen neue bilder und/oder texte rein. das heißt also immer, wenn ich denke, dass der stein jetzt gleich oben auf dem berg ist, rollt er wieder runter.
nun ja, ich will mich nicht beschweren.
ich sitze - im gegensatz zu vielen anderen - freiwilig und selbstbestimmt am rechner, meistens sogar noch gern.
im gegensatz zu herrn h., denn das "immer und überall können" langweilt, schleppe ich meinen laptop gerne in der wohnung herum oder - so wie jetzt - auf die terrasse. meinen rechner betrachte ich ebenso als kreativwerkzeug, wie die diversen gerätschaften in meinem studio, die ich aber nicht rumschleppen kann.
wenn ich gerade eine idee für eine postkarte oder eine grafik habe, will ich dabei nicht unbedingt an den schreibtisch gefesselt sein.
ich sehe die trennung von beruflichem und privatem dennoch als notwendig und sinnvoll an.
leider bin ich selbst dabei nicht unbedingt konsequent und mein laptop verführt mich dann doch oft dazu, "schnell mal" auf dem sofa nach neuen e-mails zu sehen, oder wer sich gerade alles in skype rumtreibt, im dawandaforum zu schreiben, oder das blog mit mehr oder weniger tiefsinnigen gedanken zu füllen, oder "schnell mal" ein neues produkt einzustellen.
natürlich gibt es keinen grund, meinen kunden nachts um 23 uhr noch mails zu schreiben. aber der gedanke daran, dass ich das dann am nächsten morgen vergessen könnte, macht mich so zappelig, dass ich es lieber gleich hinter mich bringe. ebenso auftragsarbeiten, die möchte ich immer möglichst sofort vom tisch haben.
so ein punkt auf meiner liste der dinge, die ich noch tun muss (vulgo to-do-liste) hat für mich immer die oberste priorität. ich kann die arbeit einfach nicht liegen lassen. genauso wie ich einen gewissen rahmen von ordnung zum arbeiten brauche. choatisch wird es dann von selbst, wenn ich an neuen dingen arbeite. aber um zu beginnen, brauche ich ordnung und struktur.
gut liegenlassen kann ich abwasch, der nicht in meiner spülmaschine landet, irgendwelche blöden schreiben von versicherung, finanzamt und krankenkasse. auf einer skala von 1 bis 500, wobei 1 für "sehr wichtig" und 500 für "irgendwann in den nächsten 3-4 wochen" steht, stehen solche dinge eher im bereich 489-500.
was würde ich denn alternativ und ohne (mobilen) rechner jetzt tun?
vermutlich säße ich an der nähmaschine. vielleicht würde ich meine sozialkontakte im "real life" pflegen, lesen oder musik hören oder - je nach wetter - in der sonne liegen oder mit dem rad irgendwo rumfahren...
im grunde ist der wichtigste faktor in meinem leben aber nicht der rechner, sondern meine selbständigkeit, damit verbunden natürlich das moderne mobil-leben, denn ohne rechner kein shop und ohne shop keine selbständigkeit.
für mich ist ein leben als "lohnsklavin" nicht mehr denkbar. ich möchte keine befehlsempfängerin mehr sein, ich mag keine hierarchien - und besonders nicht die, die sich "flach" nennen, dahinter verbergen sich oft die größten profilneurotiker.
"die hierarchien hier sind so flach, dass wir unsere mitarbeiter gerne unter den teppich kehren."
vorteil und nachteil zugleich ist die möglichkeit, des "immer und überall arbeitenkönnens" und damit verbunden klar die mangelnde abgrenzung von arbeit und freizeit.
natürlich bin ich im kopf in irgendeiner form immer mit meiner arbeit beschäftigt. als "kreativarbeiterin" kann ich auch nicht einfach einen hebel umlegen, und auf knopfdruck kreativ sein. manchmal müssen ideen gleich probiert und umgesetzt werden, und wenn es nur aus reinem spaß an der freude ist.
herr h. was meinen sie, sollen wir vielleicht noch eine art mobilkommando ins leben rufen, das die klamottenlabel-denksprüche in der fußgängerzone als "denken to go" verkauft? so im geiste des modernen mobil-lebens?
vielleicht sollte ich mich nachher mal mit e-paper beschäftigen, oder wir machen ein kunst-happening draus... und da fällt mir noch ein, dass ich mich auch mal mit griechischer mythologie beschäftigen könnte, muss gleich mal nach büchern suchen.
essen müsste ich auch mal was... die nächste sysiphosarbeit ruft...
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