Freitag, 23. Juli 2010

guten abend, welt

vielleicht bin ich ja allein, aber ich sitze lieber am rechner (oder der nähmaschine, oder dem plotter) und fülle die welt mit unseren wunderbaren (?) ideen, als den freitagabend in einer disco zwischen mehr oder minder paarungsbereiten geschlechtsgenossinnen oder angehörigen des anderen geschlechts zu verbringen.

ich gehe gerne tanzen, das schon, aber nicht um der fleischbeschau willen, sondern um zu tanzen. und in einer disco kann man das meiner meinung nach nicht wirklich. für soziologische studien hingegen ist dieser ort hervorragend geeignet.

aber ich wollte ja über klamottenlabel schreiben.

klamottenlabel ist eine typische kopfgeburt von zwei menschen, die nicht vor- sondern lieber nachdenken.

ich habe gerade mal das wort "vordenker" in google eingegeben und erschreckende dinge gefunden.

da gibt es webseiten, die zum gemeinsamen vordenken einladen, ja sogar ein magazin namens "vordenker".

was ist dieses vordenken denn überhaupt?

ist das so etwas, wie laut denken?
und alle denken mit?
oder beten wir bloß das nach, was uns vorgedacht wurde?
ist vordenken identisch mit vorkauen und danach die vorgekauten ideen unters volk spucken?

ich habe keine antwort.

bevor mich herr h. auf dieses phänomen stieß, habe ich mich mit dem vordenken nie beschäftigt und jetzt muss ich gestehen, dass es mich täglich von irgendwoher anspringt. an allen ecken und enden wird vorgedacht.

vordenker, aller länder vereinigt euch!

hm, klingt das jetzt besser, als

nachdenker, aller länder vereinigt euch!

vielleicht ist es so, dass das wort "vordenken" subjektiv eine stärkere dynamik ausstrahlt, als das behäbige nachdenken. da sitzt einer in denkerpose auf einem stein, den kopf in der hand...

vordenken dagegen, das ist dynamik, das ist web 2.0, denken-to-go sozusagen. das klingt jung und erfrischend, ist hip und in.

aber was denkt man denn da, wenn man vordenkt?

rein intuitiv würde ich behaupten, dass der prozess des vordenkens auf einem viel unbewußteren kognitiven niveau ablaufen dürfte, als der des nachdenkens.

das vordenken kommt sozusagen vor dem nachdenken.

heißt das vielleicht auch, dass ich vorgedacht etwas frei von der leber weg rausplappere, das ich - nach reiflichem nachdenken - besser nicht gesagt hätte?

vielleicht ist das die essenz des vordenkens: das undurchdachte einfach mal rausplappern und zuschauen, wie es sich in der welt verbreitet.

wie seht ihr da draußen das?

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